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19.12.2007
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Motivator statt Mäzen
Auch kleine und mittlere Firmen können Kunst gezielt nutzen
Kunst hat sich als Aushängeschild der Wirtschaft etabliert. Unternehmen wie Siemens, BMW oder die GASAG fördern Kunst und Kultur. Sie sponsern Kunstprojekte oder machen ihre Sammlungen in Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich. Doch nicht nur die Wirtschaftsriesen umgeben sich gerne mit Kunst. Auch kleinere und mittlere Unternehmen haben sie längst für sich entdeckt: als Inspirationsquelle einerseits, als kulturelles Engagement nach außen andererseits.
Kunst als Inspirationsquelle
»Nach dem Betrachten eines Kunstwerks sollte im Idealfall ein geistiger Entwicklungsprozess folgen«, formuliert Karsten Westphalen, Geschäftsführer der Wüpper Unternehmer-Beratung. Damit nennt er ein zentrales Motiv vieler Unternehmer, sich Bilder an die Wand zu hängen: Sie inspirieren und motivieren die Mitarbeiter. »Kunst bricht Barrieren, verändert den Blickwinkel und animiert Menschen zum Andersdenken«, meint Westphalen. Der 51-jährige Unternehmer sitzt in einem pinkfarbenen Büro, die Wände sind dicht behängt mit Bildern.
»Als Mitarbeiter und Kunden das erste Mal mein Büro betraten, waren sie schon sehr verunsichert«, erinnert er sich, »heute nehmen sie es als normal hin.« Eine anfängliche Verunsicherung kann durchaus zum Wohlfühlen am Arbeitsplatz beitragen, weiß Tim Karußeit, Geschäftsführer der neos art GmbH. Er hat die Beratung und die künstlerische Innenausstattung von Firmen aus verschiedensten Branchen zum Beruf gemacht. Die neos art GmbH erarbeitet Einrichtungskonzepte und setzt diese in den Büroräumen um. »Unsere Erfahrung zeigt, dass das Wohlbefinden am Arbeitsplatz durch Kunst an den Wänden gefördert wird«, so der Experte. »Wir beziehen die Mitarbeiter in die Bildauswahl mit ein. Durch ihre hohe Zufriedenheit am Arbeitsplatz steigen Motivation und Mitarbeiterbindung.«
In diesem Sinne verstehen einige Unternehmer Kunst sogar als Teil der Aktivitäten im Bereich Corporate Social Responsibility (deutsch: Gemeinsame Soziale Verantwortung). »Wir bieten in den Mittagspausen Mitarbeiterführungen durch unsere Museen an«, erzählt Maria Theresia Heitlinger, Pressesprecherin der Würth Museen. »Das Angebot wird sehr gut aufgenommen.
Unsere Mitarbeiter fühlen sich wohl am Arbeitsplatz und die Fluktuation ist in der Tat sehr gering.«
Unternehmensphilosophie im Kunstwerk vermitteln
»Im Alltag muss Kunst präsent sein, für alle und überall!« fordert Kunstliebhaber Westphalen. »Sie muss zur Philosophie, zum Stil und ganz pragmatisch zur übrigen Gestaltung des Büros passen«, meint Karußeit. Er hat beobachtet, dass Unternehmen sich nach wie vor am liebsten mit Bildern einrichten. »Während traditionelle Wirtschaftszweige wie Banken eher auf die klassische Malerei zurückgreifen, setzt sich bei fortschrittlichen Unternehmen aus der Technikbranche moderne Fotokunst durch. Man könnte das als einen aktuellen Trend beschreiben«, so Karußeit über die Vorlieben. Doch was sagen die Bilder überhaupt aus?
Bilder unterstreichen Philosophie und Aussage des Unternehmens, können sogar Teamgeist verbreiten. Die ästhetische Großfotografie eines Spinnennetzes symbolisiert beispielsweise das »Netzwerk«. Moderne Optik und neue Techniken in der Fotokunst verdeutlichen die Verbindung von alten Werten und neuer Technik im Unternehmen: neos art bedruckt zu diesem Zweck Aluminiumplatten mit hochwertig entwickelten Fotos.
»Diese Gestaltung haben wir für ein Unternehmen gewählt, das eine Software für Banken entwickelt«, erzählt Karußeit. »Durch die zeitgemäßen Fotos will das Unternehmen Fortschritt und Dynamik ausstrahlen, denn nicht nur die eigenen Mitarbeiter sehen diese Bilder, auch Kunden gewinnen so schnell einen Eindruck.«
Kulturelles Engagement trägt die Unternehmensbotschaft nach außen
Bei dem weltweit agierenden Handelsunternehmen Würth ist die Botschaft hinter der Kunst ganz einfach: »Würth steht für Qualität. Das wollen wir auch durch die kreative Architektur und unsere Kunstausstellungen präsentieren«, erklärt Pressesprecherin Maria Theresia Heitlinger. Reinhold Würth, der auch Mitglied im Kuratorium des Deutschen Gründerpreises ist, sammelt seit den 60er Jahren Kunst. Heute besitzt er mehr als 10.000 Werke zeitgenössischer Künstler, die in den Ausstellungen der Würth-Museen zu sehen sind. »Die Konzernzentrale in Künzelsau ist mit dem Museum verbunden«, erläutert Presse-sprecherin Heitlinger. »Die Mitarbeiter gehen täglich durch das Museum, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen.«
Im Ausland sind die Kunstdependancen an die jeweiligen Firmensitze angedockt. »Die Sammlung Würth ist so bekannt, dass Unternehmer Reinhold Würth im In- und Ausland häufig auf seine Kunstaktivitäten angesprochen wird. Daher und aufgrund der Entwicklung des Unternehmens zieht Reinhold Würth den Schluss, dass das Engagement dem Konzern zumindest nicht geschadet haben kann«, sagt Heitlinger.
Einstieg in die Szene leicht gemacht
Doch wie finden Gründer den Einstieg in die oft kostspielige Kulturlandschaft? »Jeder Anfang ist schwer«, weiß Karußeit als Jung-Unternehmer. »Aber Kunst muss weder teuer noch kompliziert sein«, beruhigt er Unternehmer, die Geschmack an Kunst gefunden haben. Eine preisgünstige Alternative zu teuren Originalen biete der Einstieg über junge Nachwuchskünstler: »Sie sind meistens noch nicht so bekannt und teuer. Im besten Falle steigern die Werke durch zunehmende Bekanntheit der Künstler sogar noch ihren Wert.« Genau das erlebte der Hamburger Unternehmer Westphalen. Als Elfjähriger investierte er sein gespartes Taschengeld zum Entsetzen seiner Eltern in sein erstes Kunstwerk, ein kleines Bild im Schaufenster eines Eppendorfer Kunsthändlers: einen Hundertwasser.
Newsletter des Deutschen Gründerpreises - Ausgabe 6 2007
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